Der Begriff Diabetes mellitus fasst eine Gruppe von endokrinen Erkrankungen zusammen, die eine Störung des Kohlenhydratstoffwechsels im menschlichen Organismus verursachen. Diese Krankheiten manifestieren sich durch ähnliche Symptome in der Entwicklung und im Verlauf. Heutzutage umfasst diese Gruppe mehr als zwanzig seltene Arten von Diabetes (die man als exotisch bezeichnen könnte) und drei Hauptformen, die am häufigsten diagnostiziert werden: Typ 1 (insulinabhängig): Dieser Typ basiert auf einer unzureichenden Insulinproduktion durch die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse und deren allmählicher Zerstörung durch das eigene Immunsystem. Dies führt zu einer Störung des Kohlenhydratstoffwechsels. Im Wesentlichen handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, deren genaue Ursache der Medizin bis heute nicht vollständig bekannt ist und die eine ständige Injektion von Insulin erfordert. Typ 2 (insulinunabhängig): Dieser Typ beruht auf einer Insulinresistenz (Unempfindlichkeit) der körpereigenen Zellen gegenüber dem von der Bauchspeicheldrüse produzierten Insulin. Dies führt dazu, dass das Hormon vom Körper ineffizient genutzt wird, was ebenfalls den Kohlenhydratstoffwechsel stört. Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes): Hierbei handelt es sich um eine Störung des Kohlenhydratstoffwechsels, die während der Schwangerschaft auftritt. In der Regel wird dieser Typ während des pränatalen Screenings diagnostiziert. Frauen, bei denen dieser Diabetes festgestellt wurde, gehören zur Risikogruppe für Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko, später im Leben an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Die Ähnlichkeiten und Unterschiede der Hauptarten von Diabetes mellitus sind in der folgenden Übersicht dargestellt: Vergleichstabelle der Hauptarten von Diabetes mellitus Symptome und Warnzeichen (Zusätzliche Information) Unabhängig vom Typ gibt es klassische Anzeichen, die auf einen erhöhten Blutzuckerspiegel hinweisen können. Es ist wichtig, diese frühzeitig zu erkennen: Starker Durst (Polydipsie) und Mundtrockenheit. Häufiger Harndrang (Polyurie). Unerklärlicher Gewichtsverlust (besonders bei Typ 1). Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Schlechte Wundheilung und Anfälligkeit für Infektionen. Etymologie der Krankheit Das Wort stammt vom altgriechischen διαβαίνω (diabaino), was „ich gehe hindurch“ oder „ich durchquere“ bedeutet. So nannten Ärzte im antiken Griechenland das übermäßig häufige Wasserlassen (Polyurie), das mit starkem Durst (Polydipsie) verbunden war. In jenen fernen Zeiten verstanden die Menschen die Ursachen dieses Leidens nicht. Daher sagten sie, dass das Wasser buchstäblich durch den Kranken „hindurchgeht“ und dabei alle Lebenskräfte auswäscht. Erst viel später wurde dem Wort „Diabetes“ das lateinische Wort „mellitus“ (honigsüß) hinzugefügt. Im 17. Jahrhundert entdeckte der britische Arzt Thomas Willis, dass der Urin von Patienten mit dieser tödlichen Krankheit einen süßlichen Geschmack hatte, und nahm dieses Merkmal in die Liste der Krankheitssymptome auf. So transformierte sich eines der Anzeichen der Krankheit in ihren vollständigen Namen. Historischer Überblick: Der Kampf gegen die Krankheit Diabetes mellitus ist ein Feind, der die Menschen seit dem tiefen Altertum verfolgt, möglicherweise schon seit der Entstehung des Menschen als Spezies. Seinen Namen verdankt er dem griechischen Arzt Aretaios von Kappadokien (1.–2. Jahrhundert n. Chr.). Lange Zeit bedeutete die Diagnose ein sicheres Todesurteil. Erst im 20. Jahrhundert gelang der Durchbruch. Chronologie der wichtigsten Entdeckungen Zeitraum Ereignis 1675 Thomas Willis entdeckt den süßlichen Geschmack des Urins bei Patienten. Dies führte später zum Zusatz „mellitus“ (honigsüß). 1869 Der deutsche Physiologe Paul Langerhans entdeckt spezielle Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die später „Langerhans-Inseln“ genannt wurden. 1901 Der russische Wissenschaftler Leonid Sobolew beweist, dass die Langerhans-Inseln für die Produktion lebenswichtiger Hormone, darunter Insulin, verantwortlich sind. 1921 Frederick Banting, Charles Best, John Macleod und James Collip isolieren erstmals Insulin aus der Bauchspeicheldrüse von Tieren. 1922-1923 Erfolgreicher Einsatz von Insulin bei Patienten. Banting und Macleod erhalten den Nobelpreis. Beginn der industriellen Produktion durch Eli Lilly und Novo Nordisk. 1936 Harold Percival Himsworth unterteilt die Krankheit erstmals in Typ 1 (insulinabhängig) und Typ 2 (insulinunabhängig). 1958 Frederick Sanger entschlüsselt die vollständige chemische Struktur des menschlichen Insulins. 1976 Synthese von menschlichem Insulin durch Gentechnik. 2016 Die WHO stuft Diabetes als eine der zehn gefährlichsten Krankheiten der Menschheit ein. Prävention und Lebensstil (Zusätzliche Information) Während Typ-1-Diabetes derzeit nicht verhindert werden kann, lässt sich das Risiko für Typ-2-Diabetes durch Anpassungen des Lebensstils erheblich senken. Studien zeigen, dass einfache Maßnahmen eine große Wirkung haben: Gesunde Ernährung: Reduzierung von Zucker und gesättigten Fetten, mehr Ballaststoffe und Gemüse. Körperliche Aktivität: Mindestens 30 Minuten moderate Bewegung pro Tag verbessern die Insulinsensitivität. Gewichtskontrolle: Bereits eine geringe Gewichtsabnahme kann das Risiko drastisch senken. Häufig gestellte Fragen (FAQ) Was ist der Unterschied zwischen Typ 1 und Typ 2 Diabetes? Bei Typ 1 produziert der Körper kein Insulin mehr, da das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen zerstört. Bei Typ 2 produziert der Körper zwar Insulin, aber die Zellen können es nicht effektiv nutzen (Insulinresistenz). Ist Diabetes heilbar? Derzeit sind chronische Formen von Diabetes (Typ 1 und Typ 2) nicht vollständig heilbar, aber gut behandelbar. Typ 2 kann in frühen Stadien durch Lebensstiländerungen oft in Remission gehen. Woher kommt der Name Diabetes mellitus? Der Name setzt sich zusammen aus dem griechischen „Diabetes“ (hindurchgehen) und dem lateinischen „mellitus“ (honigsüß), was auf die Hauptsymptome – übermäßiger Harndrang und süßlicher Urin – hinweist. Beitragsnavigation Scharfes Essen bei Diabetes: Auswirkungen auf Blutzucker, Stoffwechsel und Gesundheit