Viele Menschen sind fest davon überzeugt: Wer Süßes isst, bekommt zwangsläufig Zucker und Diabetes. Diese Angst ist besonders bei älteren Menschen verbreitet, die versuchen, auf ihre Ernährung und Gesundheit zu achten. Aber führt Zucker wirklich direkt zu dieser Krankheit? Lassen Sie uns dieses Thema in einfacher und verständlicher Sprache klären, basierend auf medizinischen Fakten und der Meinung von Endokrinologen. Was ist Diabetes mellitus und welche Formen gibt es? Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, bei der der Körper Glukose – die Hauptenergiequelle unserer Zellen – nicht richtig verwerten kann. Es gibt zwei Haupttypen dieser Krankheit, die völlig unterschiedliche Ursachen haben: Typ-1-Diabetes: Dies ist eine Autoimmunerkrankung, die mit einer Störung der Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse verbunden ist. Sie hat meist genetische Ursachen. Der Lebensstil oder der Konsum von Zucker haben fast keinen Einfluss auf ihre Entwicklung. Typ-2-Diabetes: Dies ist die häufigste Form der Krankheit (ca. 90–95 % aller Fälle). Sie steht in direktem Zusammenhang mit dem Lebensstil, der Ernährung und dem Körpergewicht. Genau dieser Typ kann oft verhindert oder verzögert werden, wenn man rechtzeitig auf seine Gewohnheiten achtet. Stimmt es, dass Süßigkeiten Diabetes verursachen? Es gibt keinen direkten kausalen Zusammenhang, der besagt: „Ein Stück Kuchen verursacht sofort Zucker und Diabetes„. Zucker an sich löst die Krankheit nicht aus. Selbst wenn eine Person gerne Süßigkeiten isst, aber dabei nicht zu viel isst, ihren täglichen Kalorienbedarf nicht überschreitet und kein Übergewicht hat, bleibt das Diabetesrisiko niedrig. Die Hauptgefahr liegt nicht im Zucker selbst, sondern im regelmäßigen Überessen und einer unausgewogenen Ernährung. Wenn die Ernährung zu einer Gewichtszunahme und Fettleibigkeit führt, steigt das Risiko für Typ-2-Diabetes drastisch an. Süßigkeiten haben oft eine hohe Kaloriendichte, sättigen aber nur kurz, was leicht zu einem Kalorienüberschuss führt. Warum ist Übergewicht der entscheidende Faktor? Bei Übergewicht, insbesondere bei viel Bauchfett (viszerales Fett), entwickelt sich eine sogenannte Insulinresistenz. Das bedeutet: Das Hormon Insulin hört auf, effektiv zu arbeiten. Es kann die Zellen nicht mehr richtig „aufschließen“, um Glukose hereinzulassen. Infolgedessen sammelt sich Zucker im Blut an, und es entsteht ein chronisch erhöhter Blutzuckerspiegel. Wenn dieser Zustand über längere Zeit anhält, kann dies zu schwerwiegenden Komplikationen führen: Sehverschlechterung (Retinopathie), Nierenproblemen (Nephropathie), Gefäß- und Nervenschäden (Neuropathie) sowie einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Versteckter Zucker und der Glykämische Index Ein wichtiger Aspekt, der oft übersehen wird, ist der sogenannte „versteckte Zucker“. Viele verarbeitete Lebensmittel, die gar nicht süß schmecken (wie Saucen, Fertiggerichte oder Weißbrot), werden im Körper schnell zu Glukose umgewandelt. Tabelle: Einfache vs. Komplexe Kohlenhydrate Um das Risiko für Zucker und Diabetes zu minimieren, ist es hilfreich, den Unterschied zwischen Kohlenhydraten zu verstehen: Eigenschaft Einfache Kohlenhydrate (Zu vermeiden) Komplexe Kohlenhydrate (Empfohlen) Wirkung Lassen den Blutzucker schnell ansteigen und schnell wieder abfallen. Sorgen für einen stabilen Blutzuckerspiegel und langanhaltende Sättigung. Beispiele Zucker, Süßigkeiten, Weißbrot, Limonaden, Fruchtsäfte. Vollkornprodukte, Haferflocken, Hülsenfrüchte, Gemüse. Risiko Fördert Heißhunger und Gewichtszunahme. Unterstützt die Verdauung und das Gewichtsmanagement. Darf man bei Diabetes überhaupt noch Zucker essen? Die moderne Medizin hat sich von strikten Verboten verabschiedet. Die Ernährung bei Diabetes wird heute individuell angepasst. In vielen Fällen ist Zucker in streng berechneten Mengen zulässig – natürlich unter Kontrolle des Arztes und des Blutzuckerspiegels. Ein komplettes Verbot ist nicht immer notwendig und führt oft nur zu Heißhungerattacken. Wichtiger sind Systematik, Mäßigung und regelmäßige Überwachung. Wie sollte man sich ernähren, um Risiken zu senken? Zur Vorbeugung von Diabetes und zur Erhaltung der allgemeinen Gesundheit empfehlen Ärzte das Prinzip des „Harvard-Tellers“ (oder der gesunden Ernährungspyramide). So sieht die ideale Mahlzeit aus: 50 % der Tellerfläche: Gemüse und Obst (wobei Gemüse überwiegen sollte). 25 % der Tellerfläche: Hochwertige Proteine (Fisch, Geflügel, mageres Fleisch, Eier, Hülsenfrüchte, Tofu). 25 % der Tellerfläche: Komplexe Kohlenhydrate (Vollkorngetreide, Naturreis, Nudeln aus Hartweizen). Es ist wichtig, an die 80/20-Regel zu denken: Etwa 80 % der Ernährung sollten nach diesem gesunden Prinzip gestaltet sein. Die verbleibenden 20 % können für Lieblingsgerichte reserviert werden – dazu gehören auch Desserts. Dieser Ansatz hilft, die Balance zu halten, ohne strengen Verzicht und psychischen Stress, was langfristig erfolgreicher ist als jede Radikaldiät. Häufig gestellte Fragen (FAQ) Ist brauner Zucker gesünder als weißer Zucker? Nein, das ist ein Mythos. Brauner Zucker enthält zwar minimale Spuren von Mineralien, wirkt sich aber auf den Blutzuckerspiegel fast genauso aus wie weißer Zucker. Für den Stoffwechsel und das Diabetesrisiko macht es keinen signifikanten Unterschied. Kann ich Früchte essen, wenn ich Diabetes vermeiden will? Ja, Früchte sind gesund und enthalten Ballaststoffe, die die Zuckeraufnahme verlangsamen. Man sollte jedoch ganze Früchte statt Fruchtsäfte bevorzugen, da Säfte den Blutzucker sehr schnell in die Höhe treiben. Was sind die ersten Warnzeichen für Diabetes? Häufige Anzeichen sind starker Durst, häufiges Wasserlassen (besonders nachts), unerklärliche Müdigkeit, verschwommenes Sehen und eine schlechte Wundheilung. Wenn Sie diese Symptome bemerken, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Hinweis: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen Spezialisten. Beitragsnavigation Zitrusfrüchte bei Diabetes: Warum Orange, Grapefruit und Co. eine gesunde Wahl sind Kirschen bei Diabetes: Sind sie erlaubt oder verboten? Ein Ratgeber vom Endokrinologen