Kann die neue ReCET Diabetes Therapie die täglichen Insulinspritzen bald der Vergangenheit angehören lassen? Für fast eine halbe Milliarde Menschen weltweit, die an dieser Krankheit leiden, gibt es neue Hoffnung. Eine aktuelle Studie zeigt revolutionäre Ergebnisse: Nach einem minimalinvasiven Eingriff konnten 86 % der Teilnehmer dauerhaft auf Insulin verzichten. Die Ergebnisse wurden kürzlich auf dem Kongress der United European Gastroenterology Week in Wien vorgestellt. Unter der Leitung von Dr. Celine Busch vom Amsterdam University Medical Center deutet die Untersuchung darauf hin, dass die Kombination aus der neuen ReCET-Prozedur und dem Wirkstoff Semaglutid das Potenzial hat, die Behandlung von Typ-2-Diabetes grundlegend zu verändern. Was macht Diabetes Typ 2 so gefährlich? Diabetes mellitus Typ 2 ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die die Art und Weise beeinträchtigt, wie der Körper Glukose (Blutzucker) verarbeitet. Im Gegensatz zu Typ 1, bei dem der Körper kein Insulin produziert, liegt bei Typ 2 meist eine Insulinresistenz vor. Das bedeutet: Der Körper reagiert nicht mehr ausreichend auf das eigene Insulin. Die Bauchspeicheldrüse kann die gestiegene Nachfrage nach Insulin nicht mehr decken. In der Folge steigt der Blutzuckerspiegel auf gefährliche Werte an. Unbehandelt kann ein dauerhaft hoher Blutzucker zu verheerenden gesundheitlichen Folgen führen, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenversagen, Erblindung (Retinopathie), Nervenschäden (Neuropathie) und Durchblutungsstörungen, die im schlimmsten Fall Amputationen erforderlich machen. Bisherige Standardtherapien konzentrieren sich auf Diät, Bewegung und Medikamente. Wenn diese nicht ausreichen, bleibt oft nur die Insulintherapie. Diese ist zwar effektiv, hat aber Nachteile: Sie bekämpft nur die Symptome (den Blutzucker), nicht die Ursache (die Insulinresistenz), und führt oft zu einer Gewichtszunahme, was den Diabetes wiederum verschlimmern kann. Der neue Behandlungsansatz: ReCET erklärt In der neuen Studie setzte Dr. Busch ein Verfahren ein, das als ReCET (Re-Cellularization via Electroporation Therapy) bekannt ist. Doch wie funktioniert diese Methode genau? Es handelt sich um einen endoskopischen Eingriff, der über den Mund durchgeführt wird – ähnlich wie eine Magenspiegelung. Dabei werden kontrollierte elektrische Impulse auf die Schleimhaut des Zwölffingerdarms (Duodenum) abgegeben. Dieser Prozess wird Elektroporation genannt. Der Ablauf der Behandlung Elektroporation: Die elektrischen Impulse erzeugen winzige, irreversible Löcher in den Zellmembranen der obersten Schleimhautschicht des Dünndarms. Zellerneuerung: Die behandelten Zellen sterben ab, und der Körper beginnt sofort, die Schleimhaut zu regenerieren. Sensibilisierung: Die neu gebildeten Zellen scheinen die Signalwege des Körpers neu zu kalibrieren, wodurch die Empfindlichkeit gegenüber dem körpereigenen Insulin drastisch erhöht wird. Obwohl der genaue molekulare Mechanismus noch erforscht wird, ist das Ergebnis eindeutig: Der Körper reagiert wieder besser auf sein eigenes Insulin. Nach dem Eingriff hielten die 14 Studienteilnehmer (im Alter von 28 bis 75 Jahren) zwei Wochen lang eine flüssige, kalorienreduzierte Diät ein. Anschließend begannen sie eine Therapie mit Semaglutid, einem modernen Diabetes-Medikament, das auch beim Abnehmen hilft. Beeindruckende Studienergebnisse Die Resultate der 24-monatigen Beobachtung sind vielversprechend: Nach 6 und 12 Monaten: 12 der 14 Teilnehmer (86 %) benötigten keine Insulintherapie mehr. Nach 24 Monaten: Dieser Erfolg blieb bei allen 12 Patienten stabil. Sicherheit: Es traten keine ernsthaften Nebenwirkungen durch den Eingriff auf. Lediglich ein Patient vertrug die Höchstdosis von Semaglutid aufgrund von Übelkeit nicht. Vergleich: Traditionelle Insulintherapie vs. ReCET + Semaglutid Merkmal Traditionelle Insulintherapie ReCET + Semaglutid Anwendung Tägliche Injektionen Einmaliger Eingriff + wöchentliche Medikation Wirkung auf Gewicht Oft Gewichtszunahme Gewichtsneutral oder Abnahme Ansatz Symptomatisch (Blutzuckerkontrolle) Kausal (Verbesserung der Insulinsensitivität) Expertenmeinung und Ausblick Dr. Celine Busch betont das transformative Potenzial dieser Methode: „ReCET ist sicher und durchführbar. Im Gegensatz zur medikamentösen Therapie, die eine tägliche Disziplin erfordert, löst ReCET das Problem der Therapietreue, da keine tägliche Handlung erforderlich ist.“ Besonders wichtig ist der Ansatz der Krankheitsmodifikation. Während Insulin lediglich den Mangel ausgleicht, greift ReCET an der Wurzel des Problems an – der Insulinresistenz. Da die Publikation der ersten Ergebnisse zwei Jahre dauerte, sind nun größere, randomisierte Studien geplant, um die Daten zu bestätigen. Häufig gestellte Fragen (FAQ) Ist die ReCET-Behandlung bereits für alle Patienten verfügbar? Nein, derzeit befindet sich die ReCET-Therapie noch in der klinischen Studienphase. Nach den erfolgreichen ersten Tests sind nun größere Studien geplant, bevor eine allgemeine Zulassung erfolgen kann. Welche Nebenwirkungen hat die ReCET-Therapie? In der Studie wurden keine ernsthaften Nebenwirkungen des Eingriffs festgestellt. Die begleitende Einnahme von Semaglutid kann jedoch bei einigen Patienten zu Übelkeit führen. Muss man nach der ReCET-Behandlung noch Medikamente nehmen? Ja, in der Studie wurde die Behandlung mit dem Medikament Semaglutid kombiniert. Allerdings konnte auf die täglichen Insulinspritzen verzichtet werden, was eine enorme Erleichterung im Alltag darstellt. Beitragsnavigation Garnelen bei Diabetes: Sind sie erlaubt? Nährwerte, Risiken und Tipps Diabetes im Gefängnis: Herausforderungen und Gesundheitsmanagement hinter Gittern