Der Verzicht auf Süßes fällt vielen Diabetikern schwer. Der Verzicht auf Süßigkeiten ist eine der schwierigsten Ernährungsregeln bei Diabetes. Dies gilt besonders für Menschen, die es gewohnt sind, Tee oder Kaffee mit Keksen und Konfekt zu genießen. Die moderne Lebensmittelindustrie bietet zahlreiche Alternativen an – doch nicht alle sind unbedenklich. Zudem führt die Aufschrift „ohne Zuckerzusatz“ Verbraucher oft in die Irre. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Süßstoffe bei Diabetes sicher verwendet werden können und welche Sie meiden sollten. Außerdem stellen wir Ihnen kohlenhydratarme Süßigkeiten vor, deren Verzehr in Maßen unbedenklich ist. Grundlagen: Diabetes und der Stoffwechsel Diabetes mellitus bezeichnet eine Gruppe von Stoffwechselstörungen, die mit der Unfähigkeit des Körpers zusammenhängen, Insulin richtig zu produzieren oder zu verwerten. Am häufigsten handelt es sich um Typ-2-Diabetes, der durch einen chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel gekennzeichnet ist. Die Ernährung bei Typ-2-Diabetes erfordert in der Regel eine kohlenhydratarme Diät (Low Carb) und den Verzicht auf Süßigkeiten mit einem hohen glykämischen Index. Die Energie aus diesen Lebensmitteln wird zu schnell in Glukose umgewandelt, was gefährliche Blutzuckerspitzen verursacht. Wichtiger Hinweis: Selbst für gesunde Menschen empfiehlt die WHO eine maximale Tagesdosis an freiem Zucker von 25 bis 50 Gramm. Ein einziges Glas Cola oder Fruchtsaft kann diese Menge bereits enthalten. Bei Prädiabetes sollten schnelle Kohlenhydrate weniger als 10% der Gesamtkalorien ausmachen. Die Falle des „Zusatzzochers“ Wenn auf einer Verpackung steht, dass das Produkt „keinen zugesetzten Zucker“ enthält, bedeutet das keineswegs, dass es frei von schnellen Kohlenhydraten ist. Oft bedeutet dies lediglich, dass kein weißer Raffineriezucker hinzugefügt wurde. Zucker kann jedoch in natürlicher Form oder als Sirup enthalten sein. Achten Sie auf versteckte Zuckerquellen in „gesunden“ Produkten. Ein Beispiel ist Honig: Er besteht zu fast 80% aus Zucker, dennoch dürfen Produkte auf Honigbasis als „ohne Zuckerzusatz“ beworben werden. Ähnlich verhält es sich mit Zutaten wie Maltodextrin, Reissirup, Ahornsirup oder Glukose-Fruktose-Sirup. Diese lassen den Blutzuckerspiegel fast genauso schnell ansteigen wie Haushaltszucker. Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe: Ein Vergleich Obwohl Süßstoffe einen süßen Geschmack ohne sofortigen Glukoseanstieg ermöglichen, sind nicht alle für Diabetiker geeignet. Eine Studie aus dem Jahr 2020 deutet darauf hin, dass Süßstoffe wie Aspartam und Saccharin mit einem höheren Risiko für Insulinresistenz verbunden sein könnten. Zuckeralkohole (wie Sorbit, Maltit oder Xylit) können zudem Verdauungsprobleme verursachen. Stoffgruppe Beispiele Mögliche Nebenwirkungen Künstliche Süßstoffe Aspartam, Saccharin Verdacht auf Förderung von Insulinresistenz. Zuckeralkohole Maltit, Sorbit, Xylit, Isomalt Können Blähungen und Durchfall verursachen; verstärken evtl. Nebenwirkungen von Metformin. Fruktose (Industriell) Fruktosesirup, Diabetiker-Süße Belastet die Leber, fördert Fettleber und Insulinresistenz. Warum Fruktose keine gute Alternative ist Früher galten Produkte mit Fruktose als ideal für Diabetiker, da Fruktose den Blutzucker langsamer ansteigen lässt (niedrigerer glykämischer Index). Heute weiß man: Das ist ein Trugschluss. Isolierte Fruktose belastet die Leber stark und kann die Insulinempfindlichkeit der Zellen langfristig verschlechtern. Obst ist aufgrund der Ballaststoffe in Maßen okay, reiner Fruchtzucker in Süßwaren sollte jedoch gemieden werden. Liste: 5 erlaubte Süßigkeiten bei Diabetes Die Auswahl ist eingeschränkt, aber es gibt genussvolle Optionen, die den Blutzucker kaum beeinflussen. Hier sind fünf Favoriten: 1. Früchte mit niedrigem glykämischen Index: Beeren (Himbeeren, Blaubeeren) oder ein gebackener Apfel sind ideal. Die enthaltenen Ballaststoffe verlangsamen die Zuckeraufnahme. 2. Dunkle Schokolade (Zartbitter): Wählen Sie Schokolade mit mindestens 85% Kakaoanteil. Ein Stück (10g) enthält dann nur ca. 1,5 bis 2 Gramm Zucker. 3. Zuckerfreies Wackelpudding/Götterspeise: Gelatine besteht aus Protein und hat keine Kohlenhydrate. Wenn Sie Süßstoff verwenden, achten Sie auf verträgliche Sorten (z.B. Erythrit oder Stevia, sofern geschmacklich akzeptabel). 4. High-Protein-Kekse & Keto-Gebäck: Rezepte aus der Keto-Diät nutzen oft Mandelmehl statt Weizenmehl und sind daher sehr kohlenhydratarm. 5. Nüsse: Eine Handvoll Nüsse (Mandeln, Walnüsse, Macadamia) senkt laut Studien das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Diabetikern. Sie sättigen und befriedigen das Knabberbedürfnis. Gesunde Getränke-Alternativen: Zichorie und Keto-Kaffee Oft wird zum süßen Snack Kaffee oder Tee getrunken. Auch hier gibt es gesunde Upgrades für Ihren Stoffwechsel. Zichorienwurzel (Chicorée-Kaffee) Zichorie ist ein beliebter koffeinfreier Ersatz. Das darin enthaltene Inulin wirkt als Präbiotikum (gut für die Darmflora) und kann helfen, den Nüchternblutzucker zu senken. Inulin ist ein Polymer der Fruktose, das im Darm nicht verdaut wird und somit den Blutzucker nicht belastet. Keto-Kaffee (Bulletproof Coffee) Eine weitere Alternative ist Kaffee mit einem Stück Weidebutter oder Ghee (geklärte Butter) und eventuell etwas MCT-Öl. Diese Kombination liefert Energie und Sättigung durch gesunde Fette, ohne den Insulinspiegel zu triggern. Er verhindert Heißhungerattacken, die oft nach dem Konsum von normalem Zuckerkaffee auftreten. Praktische Tipps für den Einkauf Um sicherzugehen, dass Sie geeignete Produkte kaufen, beachten Sie folgende Tipps beim Lesen der Nährwerttabelle: Schauen Sie auf die Zeile „Kohlenhydrate, davon Zucker“. Dieser Wert sollte so niedrig wie möglich sein (idealerweise unter 5g pro 100g). Ignorieren Sie Werbeslogans auf der Vorderseite („Fitness“, „Wellness“, „Leicht“). Nur die Rückseite zählt. Achten Sie auf die Zutatenliste: Steht Zucker, Sirup oder Fruktose an einer der ersten drei Stellen? Dann lassen Sie das Produkt im Regal liegen. Häufige Fragen (FAQ) Ist Fruktose für Diabetiker gesünder als Zucker? Nein, das ist ein veralteter Glaube. Zwar lässt Fruktose den Blutzucker langsamer steigen, aber isolierte Fruktose (als Süßungsmittel) fördert Fettleber und Insulinresistenz. Fruktose im ganzen Obst ist aufgrund der Ballaststoffe jedoch in Maßen okay. Welche Schokolade darf ich bei Diabetes essen? Empfehlenswert ist Bitterschokolade mit einem Kakaoanteil von mindestens 75%, besser 85%. Diese enthält deutlich weniger Zucker als Vollmilchschokolade und liefert wertvolle Antioxidantien. Sind „Diät-Produkte“ aus dem Supermarkt sinnvoll? Oftmals nicht. Viele spezielle Diabetiker-Produkte enthalten viel Fett oder Fruktose, um den Geschmack zu erhalten. Es ist meist gesünder und günstiger, auf natürlich zuckerarme Lebensmittel zurückzugreifen. Quellen und Studienreferenzen: 1. World Health Organization: Healthy diet recommendations. 2. Effect of artificial sweeteners on insulin resistance among type-2 diabetes mellitus patients (2020). 3. Eating nuts may help diabetes patients reduce CVD risk. 4. Anti-diabetic effects of Cichorium intybus. Beitragsnavigation Diabetes Typ 2: Symptome, Risikofaktoren und effektive Behandlung